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| Briefe an Hitler: Ein Volk schreibt seinem Führer. Unbekannte Dokumente aus Moskauer Archiven - zum ersten Mal veröffentlicht
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Briefe an Hitler
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Briefe an Hitler: Ein Volk schreibt seinem Führer. Unbekannte Dokumente aus Moskauer Archiven - zum ersten Mal veröffentlicht (Gebundene Ausgabe) Ist Henrik Eberles Briefe an Hitler" nur ein weiteres Buch, das in der Masse der Publikationen zum Nationalsozialismus untergeht? Definitiv nicht. Und das hat vor allem zwei Gründe: 1. Eberle ist einer der wenigen deutschen Historiker, der sich wirklich in russische Archive traut. Das Ergebnis mehrerer Moskaureisen in den Jahren 2006 und 2007 liegt nun in Buchform vor. Eberle langweilt nicht durch theoretisierende Abhandlungen, die allenfalls in Proseminaren diskutiert werden. Er erschließt vielmehr bislang unbekannte Quellen und versteht es auch noch, diesen Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Und er vermag es hier und nun, dem Leser eine kommentierte Quellenedition vorzulegen, die wirklich Neues, Wissenswertes enthält. Man lese etwa die Briefe Ludendorffs an Hitler und Hindenburg (S. 189 ff.), oder die Schreiben der Zeugen Jehovas an den Führer, die, in der Argumentation alttestamentarisch und wortgewaltig und in unbedingter Totalopposition zu Hitler, selbst demjenigen Respekt abnötigen, der ihrem Bekenntnis nichts abzugewinnen vermag (S. 207 f.). 2. Eberle bedient vordergründig die altbekannten antifaschistischen Topoi, bleibt jedoch nicht an den Leimruten einäugiger, primär ideologischer Deutungsmuster kleben. Mir scheint vielmehr, dass es sich bei den Briefen an Hitler" bei allem wissenschaftlichen Anspruch in Form und Inhalt um Eberles emotionalstes Buch handelt. Und das liegt vor allem daran, dass der Autor hier ein leidenschaftliches Plädoyer für den kritischen Individualismus, gegen das gesunde Volksempfinden", für die Originalität eigenständigen Denkens und Handelns, gegen jede kollektive politische Besoffenheit jeglicher Couleur, mithin für die Freiheit im besten Sinne des Wortes vorlegt. Auf der historischen Schiene wird hier einer gesunden Skepsis das Wort geredet, die, pars pro toto, der Wirkungsmacht politischer Entscheidungen allzeit misstraut und vor allem dort das Misstrauen des Bürgers einfordert, wo Politiker mit einem absoluten Wahrheitsanspruch antreten. Zum Buch selbst: Lübbe hat sich mit der ansprechenden Gestaltung des Buches große Mühe gegeben. Der Einband ähnelt in der Aufmachung dem Buch Hitler" von Eberle/Uhl aus 2005. Zu kritisieren bleibt aus meiner Sicht, dass sich die Briefe im Schriftsatz selbst kaum vom erzählend-analytischen Teil des Buches abheben. Hier hätte man ..." und [...] verwenden, oder die zitierten Schreiben kursiv setzen können. Allerdings verderben diese Wermutstropfen den Gesamteindruck nicht. Fazit: es lohnt sich, mehr als einen Blick in dieses Buch zu werfen. Stefan Schäfer
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 23. Oktober 2007 | | | | | | | |
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